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7 Fragen und Antworten - Jörg Gerdes im Interview mit Thomas Feldmann

Die Website HOPOBlog beschäftigt sich mit interessanten und wissenswerten Themen und rund um den Budo und Kampfsport.

Aufgrund seiner antiken Jiu-Jitsu Bücher Sammlung, ist Jörg Gerdes in den Fokus der Website HOPOBlog gekommen. Der Autor und Betreiber der Website,

Thomas Feldmann ist an Jörg Gerdes herangetreten und stellte ihm zu seiner Sammelleidenschaft 7 Fragen welche nun auf HOPOBLog nach zu lesen sind.

Das ganze Interview ist auf der Website HOPLOBlog nachzulesen [--->]

  Joerg Gerdes 01 300

Inhalt des Interview:

Jörg Gerdes, 5. Dan Jiu-Jitsu (BAE) sowie Danträger in weiteren Disziplinen wie Bojutsu, Karate, ATK-SV und Ajukate ist Bundestrainer für Jiu-Jitsu im Auftrag der Budo-Akademie-Europa (bis 2013), Autor und Betreiber der Homepage Yudansha.de.
Die Website hat Gerdes ins Leben gerufen, um als Informationsplattform für alle Budo- und Kampfsportinteressierten zu dienen.
Eine seiner Leidenschaften ist das Sammeln von historischer Jiu-Jitsu-Literatur.

Herr Gerdes, Sie haben eine Vielzahl von alten Büchern über das Jiu-Jitsu gesammelt und auf Ihrer Website katalogisiert. Was hat Sie dazu bewogen, diese alten Schätze zusammenzutragen?

1994 habe ich meine Trainingsstätte gewechselt und mich somit in die Hände eines für mich neuen Jiu-Jitsu Meister begeben. Dieser hat mich im Rahmen meiner Ausbildung dazu angehalten, mein Wissen über die Geschichte des Jiu-Jitsu zu vertiefen. Nach dem ich mich immer tiefer mit der deutschen und japanischen Geschichte des Jiu-Jitsu beschäftigt habe und meine Erkenntnisse meinem damaligen Meister mitgeteilt habe, erkannte dieser mein hohes Interesse und stand eines Tages mit der Originalausgabe des „Das Kano Jiu-Jitsu“ vor mir und fragte mich:„Wie können wir von diesem Buch eine Kopie bekommen?”

Nachdem ich dieses Werk aus dem Jahr 1910 dann in meinen Händen hielt, wurde, so glaube ich, der Samen gesetzt, klassische Jiu-Jitsu Bücher zu sammeln. Dieses gepaart mit dem Drang nach Wissen und einem gesunden Jagdinstinkt brachten mich dazu, meine „kleine Jiu-Jitsu Sammlung“ zusammenzutragen.

Über wie viele Bücher verfügt Ihr Archiv in der Zwischenzeit?

Zurzeit sind es ca. 60 Bücher. Es handelt sich dabei meist um deutsche Werke, englische Werke habe ich nur dann in meine Sammlung aufgenommen, wenn der Autor ein bekannter Jiu-Jitsu Meister war oder das Werk in Sammlerkreisen sehr begehrt ist. Der Entschluss zu dieser Begrenzung ist daraus entstanden, dass ich das Budget meiner Sammelleidenschaft im Griff behalten musste und um eine Übersicht der noch fehlenden Werke zu erhalten. Das zurzeit älteste Werk meiner Sammlung stammt aus dem Jahr 1902: Der Titel lautet „Out of the East – Reveries and Studies in New Japan“ und ist von dem Autor Lafcadio Hearn. Das zurzeit jüngste Werk stammt aus dem Jahr 1967 (8. Auflage). Der Titel lautet: “Ich lerne Jiu-Jitsu” und ist von dem Autor und Jiu-Jitsu Altmeister Erich Rahn.

Es heißt, dass die erste deutsche Jiu Jitsu-Schule 1906 von Erich Rahn in Berlin eingerichtet wurde. Wie schwer ist es, Bücher aus der Frühzeit des Jiu-Jitsu in Deutschland zu finden?

Ich glaube heute (2012) ist der “Markt” schon sehr abgegriffen, somit ist die Suche erschwert und der Preis von einigen Werken fast unerschwinglich! Als ich vor fast 20 Jahren (1994) mit meiner Suche nach alter Jiu-Jitsu-Literatur begann, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen und war noch nicht wie in heutiger Form für jeden zugänglich. Bei der Suche nach alten Jiu-Jitsu-Büchern war ich darauf angewiesen Antiquariate zu besuchen und von Tür zu Tür zu gehen. Meine damalige Lebensgefährtin könnte Ihnen davon ein „Lied singen“.

Die „Ausbeute“ auf dieser Art und Weise einen Klassiker zu finden war eher „Glückssache“ bzw. ein Zufall. Erst als sich das Internet weiter ausbreitete und zugänglicher wurde, konnte ich meine Suche ausweiten. Innerhalb von zwei Jahren konnte ich dann die wichtigsten Klassiker der Jiu-Jitsu-Literatur zu guten Preisen erstehen.

Viele der gesammelten Werke stammen aus den Vereinigten Staaten, England, Österreich und der Schweiz. Auch Ebay zählte zu meinen Jagdgebieten, über diesen Weg eröffneten sich zum Teil neue Kontakte, mit denen ich nie gerechnet hätte. Beispielsweise habe ich die Tochter eines alten Meisterschülers von Erich Rahn kennengelernt, welche den Nachlass ihres Vaters dort veräußerte. Auf diese Weise konnte ich mir ein paar wirklich tolle „Schätzchen“ für meine Sammlung sichern. Zusätzlich konnte ich alte Fotoaufnahmen aus den 1940er Jahre erstehen, welche noch heute mein Herz aufblühen lassen wenn ich diese betrachte.

Es ist bekannt, dass einige frühe Ausgaben aus dem Karate – wenn überhaupt zum Verkauf angeboten – für mehrere tausend Euro den Besitzer wechseln. Welchen Preis kann eine Jiu-Jitsu-Originalausgabe von 1910 erreichen?

Die Preise sind sehr unterschiedlich. Es kommt immer darauf an, wer das Werk verkauft und wo es angeboten wird. Zusätzlich kommt es darauf an, wer das Buch kaufen möchte, ein leidenschaftlicher Sammler oder ein Vater der ein Jiu-Jitsu Buch für seinen sechsjährigen Sohn sucht.

Das Werk von Erich Rahn “Jiu-Jitsu – Die unsichtbare Waffe” erschienen 1920, hatte vor etwa zehn Jahren einen Handelswert um die 130 Euro. Das sind stolze 260 DM! Das Werk “Das Kano Jiu.Jitsu (Jiudo)” von H. Irving Hancock; Higashi erschienen 1910, wurde in der gleichen Zeit um die 300 Euro gehandelt.

Ich habe diese Werke nicht zu den genannten Preisen erstanden und konnte mir diese zu besseren Konditionen sichern. Ich möchte Ihnen damit aber nur darstellen, welchen Wert diese Bücher für Sammler haben. Wo der Preis für ein solches Buch 2012 liegt kann ich ihnen leider nicht sagen, ich glaube aber, das die letzten zehn Jahre ihr Übriges zu der Preisentwicklung beigetragen haben.

Sind Sie bereits am Ende Ihrer Suche angekommen oder fehlen Ihnen noch einige Bücher? Hinter welchen Schätzen sind Sie besonders her?

Am Ende meiner Suche bin ich sicherlich noch lange nicht angekommen und wenn ich ein Buch finde, welches mir ins Auge sticht und bezahlbar ist, werde ich sicherlich nicht zögern, dieses zu erwerben. Leider benötigt man zur Recherche nach alten Büchern sehr viel Zeit und durch meine Verbandsarbeit und entsprechenden Reisen durch ganz Europa, habe ich zurzeit andere Schwerpunkte in meinem Leben.

Sie geben Lehrgänge im historischen Jiu-Jitsu. Was kann man bei diesen Seminaren erwarten und inwiefern unterscheidet sich das Training vom modernen Jiu-Jitsu?

Ich muss etwas schmunzeln, dass mir diese Frage gestellt wird. Diese Seminare sind auf eine Art der “Bierlaune” zurückzuführen! Ich habe mir eines Tages gedacht, es wäre doch lustig ein Seminar in Stil der 1920er Jahre anzubieten. Mit dem entsprechenden Outfit, also schwarzen kurzen Hosen, schweren Judojacken und schwarzen Lederschuhen. Als ich diese Idee Freuden vortrug, war das Gelächter ganz auf meiner Seite und niemand hat wirklich geglaubt, dass ich diese Idee umsetze.

Aber wer mich kennt, weiss ich lasse nicht locker und somit wurde aus dieser Idee dann ein handfestes Seminar! Man darf dieses Seminar natürlich nicht ganz ernst nehmen und muss ein wenig Humor mitbringen. Aber ich versuche trotzdem allen Teilnehmern etwas mitzugeben und ein bisschen die Geschichte des Jiu-Jitsu zu erzählen und die „guten alten Zeiten“ wieder aufleben zu lassen.

Den Seminarablauf können sie sich wie folgt vorstellen: Alle Seminarteilnehmer inklusive der anwesenden Frauen werden von mir begrüßt. Dem weiblichen Geschlecht teile ich – so wie es die alten Meister taten – allerdings mit, dass es eigentlich nicht üblich ist, dass Frauen einen solchen “Sport” ausüben da ihr Körper für diese Art der Körperertüchtigung nicht geeignet ist. Es fehlen ihnen dazu die entsprechenden Muskeln! Ich habe während des gesamten Seminars einen leichten Befehlston und Wiederworte sind natürlich nicht gestattet!

Vor dem praktischen Teil des Seminars, stelle ich immer die besten Stücke meiner Sammlung vor und erkläre auch Zusammenhänge zwischen einzelnen Büchern, zum Beispiel welcher Autor von welchem abgeschrieben hat. Es gibt da wirklich sehr interessante Überschneidungen.

Auch zeige ich einzelne Bilder aus Büchern, welche im Laufe des Seminars von mir nachgestellt werden. Diese Fotos sind für alle Beteiligten immer sehr belustigend, ich weise aber dann immer wieder auf die Ernsthaftigkeit des Seminars hin und rufe zur Ordnung auf.

Nach dieser Einleitung präsentiere ich den Teilnehmern den Film „Erich Rahn die unsichtbare Waffe“ von 1921, welcher in den vergangenen Jahren wieder auf dem Budomarkt erschienen ist. Nach diesem theoretischen Teil, beginne ich mit dann mit den damals üblichen Übungen zur Körperertüchtigung und unterweise noch einmal alle Anwesenden, dass es sich hier nicht um Spaß handelt und dass ich auf Frauen keine Rücksichtnehmen werde.

Nach der Körperertüchtigung folgen dann Abhärtetechniken der Handkante und eine Zusammenstellung der “witzigsten” Tricks aus den von mir zusammengetragenen Büchern. Dieser Inhalt mit einer riesigen Portion Humor und Improvisation ergeben das von ihnen angesprochene Seminar.

Neben Ihrer “kleinen Jiu-Jitsu Bibliothek” soll es noch zahlreiche verschiedene private Sammlungen, wie z.B. das Privatarchiv des Erich Rahn-Schülers Ditmar Gdanietz, geben. Denken Sie, dass solche wertvolle Archive für interessierte Praktiker und Forscher öffentlich gemacht werden sollten?

Bücher, Filme, Pins usw. zusammenzutragen ist das eine. Diese der aber einer Öffentlichkeit zu präsentieren ist etwas anderes. Sicherlich ist mir diese Idee auch schon gekommen und ich würde dieses umsetzen. Man benötigt hierzu aber entsprechende Räumlichkeiten und ein Publikum, über welches sich dieses finanziert. Zusätzlich kommen dann weitere Aufgaben und Fragen auf einen zu. Was passiert nach dem Ableben mit den gesammelten Informationen? Wenn es ein Museum sein soll, muss dieses auch eine entsprechende Struktur haben usw. Daher bin ich dazu übergegangen meine gesammelten Werke im Internet oder auf entsprechenden Seminaren zu präsentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Text & Fotos: Jörg Gerdes| HOPOBlog

 

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